10 einfache Tipps für nachhaltiges Wohnen und Leben

Julia Ullrich Wissenswertes

Nachhaltigkeit im Alltag ist nicht kompliziert. Lass Dich von den folgenden Tipps inspirieren, wenn Du Dich für eine nachhaltige Lebensweise interessierst und mehr in die Richtung unternehmen willst. Die Vorschläge in der Liste sind nur einige Ideen - wenn Du Dich zu Hause umschaust, fallen Dir sicher noch weitere Dinge ein!

    1. Kleidung: Tauschen und Second Hand kaufen ist cool

      Manche Unternehmen bringen mittlerweile mehr als 20 neue Kollektionen pro Jahr heraus – muss man wirklich jeden Trend mitmachen? Secondhand-Kleidung hat sich schon vor vielen Jahren als umweltbewusste Alternative etabliert. Eine große Anzahl an Secondhand-Shops ermöglicht die weitere Verwendung von Kleidungsstücken, wenn jemand sie nicht mehr haben möchte. Denn die Läden sind längst nicht mehr so „schmuddelig“ wie früher, sondern Du kannst auch richtige Design-Teile oder echte Vintage-Klamotten schießen! Das schont nämlich Ressourcen und verlängert die Lebensdauer der Kleidung.

      Du kannst Kleidung auf diese Weise sowohl kaufen als auch anbieten – auch online und via App und in verschiedenen Preiskategorien. Ich habe zum Beispiel eine bestimmte Jeansmarke, von der mir ein Modell immer passt und die ich daher gefahrlos online gebraucht kaufen kann. Eine weitere Möglichkeit ist der Kleidungstausch. Hierfür gibt es zum Beispiel Tauschbörsen im Internet, Facebook-Gruppen oder private Kleidertauschparties. Einfach mal danach in Deiner Stadt googlen.

      • Shoppe Secondhand
      • Kleidertauschbörsen und -Parties
      • Nicht jeden kurzlebigen Trend mitmachen

        2. Beauty: Plastikfreie Produkte für Beauty und Hygiene

          Bei Körperpflegeprodukten sind Materialien und Inhaltsstoffe oft ein Problem oder zumindest nicht ganz unbedenklich. Erfreulicherweise gibt es immer mehr natürliche Alternativen. Zahnbürsten aus Bambus oder waschbare Abschminkpads aus Naturfasern sind nur zwei von vielen Beispielen. Beim Kauf von Kosmetika kannst Du Dich an Qualitätssiegeln wie ECOCERT oder der Veganblume orientieren. Sie helfen Dir, Produkte zu finden, die nachhaltig hergestellt werden und auf bedenkliche Inhaltsstoffe verzichten.

          Abfall sparen kannst Du zum Beispiel mit festem Shampoo, festem Deo, fester Zahnpasta und Seifenstücken, die kein Plastik als Behälter benötigen. Vieles davon kannst Du sogar leicht selber machen, wenn Du Zeit und Lust hast. Und was zu viel geworden ist, kannst Du prima verschenken! Pro-Tipp: Viele Menschen benötigen eigentlich gar kein Deo und nach einigen wenigen Tagen Deo-Entzug hat sich die Flora darauf eingestellt, ohne Deo auszukommen und neutral zu riechen. Ich weiß, dass das für viele eine Überwindung ist, aber mal 1 oder 2 Wochen ausprobieren tut nicht weh, oder?

          • Nutze Bambus-Zahnbürsten und waschbare Abschminkpads
          • Plastikfrei: festes Shampoo, festes Deo, feste Zahnpasta, Seifenstücke
          • Probiere es mal eine Weile ohne Deo aus

            3. Einrichtung: Nachhaltige Materialien und gebrauchte Schätzchen

              Holz, Bambus, Kork: Es gibt viele nachwachsende Materialien, die sich prima für die Möbelherstellung nutzen lassen. Das FSC-Siegel zeigt Dir, dass das Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt. Für Möbelbezüge und Heimtextilien sind Leinen und Baumwolle besser als Kunstfasern. Bei Möbeln gilt: Qualitätsware mit guter Verarbeitung hält sehr lange. Das spart langfristig Kosten und vermeidet Müll, außerdem kannst Du diese Stücke oft ohne Probleme weiterverkaufen oder gebraucht erwerben.

              Wenn Du Dich für gebrauchte Möbel entscheidest, lohnt sich ein Blick in die örtliche Tauschbörse, Facebook-Gruppen für Deine Stadt oder das schwarze Brett in Uni und Arbeit. Hier findest Du günstige Angebote ganz in Deiner Nähe. Im Sinne des Upcyclings kannst Du den alten Möbeln auch einen neuen Look verpassen: Lackieren, Abschleifen, Bekleben, Beizen oder einen neuen Bezug nähen (lassen) – so bekommen Deine Möbel ihren ganz eigenen Charme.

              • Nachwachsende Materialien mit Zertifizierung
              • Kaufe gut verarbeitete Möbel
              • Schau dich nach guten gebrauchten Möbeln um
              • Upcyclen alter Möbel

                4. Shoppen: Machs wie Omi und nimm einen Beutel mit

                  Der Verzicht auf Plastiktüten ist für Viele inzwischen selbstverständlich. Taschen aus Jute, Baumwolle oder Leinen mit modernen Farben und Designs sind ebenfalls leicht und meist stabiler. Sie lassen sich klein zusammenlegen und überall hin mitnehmen, wo Du einkaufen möchtest. Für loses Obst und Gemüse sowie Brot und Brötchen gibt es wiederverwendbare Beutel, in denen sich die Waren auch gleich aufbewahren lassen. Beim Bäcker werden Brotbeutel eigentlich immer akzeptiert. Am besten, Du hast gleich 3 oder 4 Stück davon und legst welche in Deinen Rucksack oder Deine Tasche, damit du sie immer dabei hast.

                  Falls Du Waren transportieren willst, die eine dicht schließende Verpackung benötigen, kannst Du bei Bedarf ein entsprechendes Behältnis von zu Hause mitnehmen. Das bietet sich vor allem in Unverpackt-Läden an. Wobei wir da schon direkt beim nächsten Thema sind!

                    5. Kaufen: Lokal, Bio, Unverpackt, … unendliche Möglichkeiten

                      Wenn möglich, suche Dir Ware ohne Umverpackung aus. In immer mehr Städten eröffnen Unverpackt-Supermärkte, aber klar: Das bringt nur etwas, wenn die sich in Deiner Nähe befinden. Nachhaltiges Kaufen heißt unter anderem auch, regionale Produkte zu bevorzugen. Denn diese haben keine langen Transportwege hinter sich. Positiver Nebeneffekt: Sie schmecken besonders frisch. Diese bekommst du in Biosupermärkten und auf Wochenmärkten, aber auch in normalen Supermärkten findet sich immer häufiger eine Auswahl. Der kurze Blick auf das Schild zur Herkunft ist schnell angewöhnt!

                      Mit dem Kauf von Biolebensmitteln aus nachhaltiger Landwirtschaft kaufst Du zum Beispiel nicht nur schadstoffarme Produkte, sondern unterstützt auch die ökologische Bewirtschaftung von Nutzflächen. Du musst gar nicht alles Bio kaufen: Hier findest Du eine Liste in Englisch, bei welchen Obst- und Gemüsesorten es sich aktuell aber besonders lohnt (sogenannte "Dirty Dozen") und bei welchen Du auf Bio verzichten kannst (sogenannte "Clean 15"). Diese Listen werden jährlich upgedatet.

                      • Schau dich nach Unverpackt-Märkten in deiner Nähe um
                      • Regionale Produkte im Supermarkt und auf dem Wochenmarkt
                      • "Dirty Dozen" und "Clean 15"

                        6. Essen: Vermeide unnötige Abfälle

                          Ein paar Basiskenntnisse im Kochen helfen bei der Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Dann kannst Du Lebensmittel auf unterschiedliche Weise zubereiten und restlos verbrauchen. Schon mal den Begriff „Rumfort-Topf“ gehört? Das kommt von „Liegt rum, muss fort“ :-D Haltbarmachen durch Einfrieren, Trocknen, Fermentieren und Einkochen ist natürlich auch möglich. Aus vielen Gemüseresten lassen sich auch fix Aufstriche herstellen. Ein grober Essensplan verringert das Risiko, zu viel einzukaufen und die meisten Mindesthaltbarkeitsdaten sind wirklich nur dies: sie zeigen die mindeste Haltbarkeit an. Nicht zu verwechseln mit „Zu verbrauchen bis …“! Wusstest Du, dass ein ungeöffneter Joghurt teilweise bis zu zwei Monate länger genießbar ist?

                          Manche sogenannten Küchenabfälle haben auch praktischen Nutzen. Kaffeesatz ist ein natürlicher Dünger und mit zerstoßenen Eierschalen verwöhnst Du Pflanzen, die kalkhaltige Böden lieben.

                          • Vermeide Abfälle durch geplanteres Einkaufen
                          • Haltbarmachen: Einfrieren, Trocknen, Fermentieren
                          • Achte auf den Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeit und Zu-vebrauchen-bis
                          • Nutze Kaffeesatz und Eierschalen für deine Pflanzen

                            7. Putzen: Bio-Putzmittel sind der Internet-Star auf Pinterest und co.

                              Tenside und aggressive Chemikalien in Reinigungsmitteln belasten Grundwasser und Umwelt. Sie sind nur sehr selten nötig, wenn Du Deine Wohnung auf Hochglanz bringst. In unseren Breiten ist eine zu gründliche Reinigung oft gar nicht notwendig und die Dosierung von Reinigungsmitteln kann ruhig niedriger sein, damit sie länger halten. Bio-Putzmittel bieten Dir eine gute Alternative. Du kannst zudem Deine Reinigungsmittel selbst herstellen. Zitronen- und Essigsäure sowie Natron sind wirksame Putzmittel, die biologisch abbaubar sind.

                              Manche sind sogar der Meinung, dass ein einziges Putzmittel reicht: Selbstgemachter Orangenreiniger aus wenigen Zutaten. Außerdem sind diese Mittel unglaublich günstig! Recycelte Schwämme und wiederverwendbare Lappen anstelle von Einweg-Küchenrollen helfen bei der Abfallvermeidung und sind sogar mehrmals in der Maschine waschbar.

                              • Dosiere Reinigungsmittel niedriger
                              • Schau dich nach Bio-Putzmitteln um
                              • Stelle Reinigungsmittel ganz leicht selbst her
                              • Nutze einen Universalreiniger statt mehrere Spezialreiniger
                              • Wiederverwendbare Lappen und recycelte Schwämme

                                8. Heizen: Weniger ist mehr

                                  1 °C machen viel aus: Denn Du kannst rund 6 % Heizenergie sparen, wenn Du die Wohnraumtemperatur um 1 °C senkst. Oder wenigstens um 0,5 °C – das halbe Grad wirst Du überhaupt nicht merken! Damit leistest Du außerdem einen Beitrag zur CO2-Senkung. Schlafzimmer und Küche müssen in der Regel eh kaum geheizt werden. Fenster- und Türdichtungen sowie gezieltes Stoßlüften in der kalten Jahreszeit sind einfache Mittel, Heizenergie nicht zu verschwenden. Die Heizkörper sollten auch möglichst nicht direkt zugestellt sein – auch wenn das nicht immer möglich ist.

                                  

                                  Beim Warmwasser kannst Du Energie sparen, indem Du nur so viel warmes Wasser nutzt, wie Du wirklich brauchst und zum Händewaschen oder Ausspülen von wenig verschmutzen Dingen einfach kaltes Wasser nimmst. Daran gewöhnt man sich übrigens ziemlich schnell.

                                  • Raumtemperatur um 0,5-1 °C senken
                                  • Fenster und Türen besser abdichten
                                  • Kaltes Wasser zum Händewaschen

                                    9. Strom & Gas: Kleinvieh macht auch Mist

                                      Tarife für Ökostrom und Ökogas zu richtig guten Konditionen bieten inzwischen die meisten Versorger an. Hier empfehlen sich ein sorgfältiger Vergleich der verfügbaren Angebote und gegebenenfalls ein Anbieterwechsel. Das geht online mittlerweile super schnell, in 10 Minuten ist das erledigt. Und was sind schon 10 Minuten aufs ganze Jahr gerechnet?

                                      Stromsparen zu Hause kannst Du an vielen Stellen. Energieeffiziente Leuchtmittel und Geräte mit der Effizienz A+++ sind besonders sparsam – aber bitte nicht jedes Jahr einen neuen Kühlschrank kaufen, nur weil er marginal energiesparsamer ist ;-) Allzu kalt muss der Kühlschrank auch nicht eingestellt sein. Meiner läuft immer auf Stufe 1, was völlig ausreicht. Nach Möglichkeit sollte kein Gerät unnötig im Stand-by-Betrieb bleiben. Steckdosen mit Schalter verhindern unerwünschten Mini-Stromverbrauch. Licht aus in ungenutzten Räumen ist eh schon selbstverständlich.

                                      • Ökostrom- und Ökogasanbieter checken
                                      • Kühlschrank nicht zu kalt einstellen
                                      • Steckdosen mit Schalter nutzen und weniger Stand-by

                                        10. Elektronik: Reparieren und Leihen

                                          Kennst du schon das Fairphone, ein modulares Smartphone? Elektronikmüll zu vermeiden wird immer wichtiger, denk nur mal an die begrenzten Ressourcen bei den seltenen Erden. Gerade in diesem Bereich führt die Wegwerfmentalität zu enormen Mengen an Problemmüll mit zweifelhaften Wirtschaftszweigen. Überprüfe zunächst, ob eine Reparatur einen Schaden beheben kann. Klingt schwierigier, als es ist: Viele Dinge sind durch kleine Kniffe zu beheben und Hilfe dabei bekommst Du zum Beispiel in Repair Cafés oder Maker Spaces. Dort kann Dir oftmals sogar ein passendes Ersatzteil 3d-gedruckt werden. Das verlängert die Nutzungsdauer in vielen Fällen.

                                          Hier lohnt es sich, vorausschauend auf Qualität und Wartungsfreundlichkeit beim Neukauf zu achten. Ein Beispiel: Mein Fernseher war vor einigen Jahren plötzlich kaputt, es kam nur Ton und kein Bild. Offenbar war die Beleuchtung ausgefallen. Für wenige Euros habe ich bei ebay eine Netzplatine dieses Modells gefunden, weil jemand diesen Fernseher (sicherlich an anderer Stelle defekt) ausgeschlachtet hatte. Das geringe finanzielle Risiko war es mir wert, und wirklich: Ich konnte ich einfach aufschrauben und die neue Netzplatine einsetzen, ohne viel Elektronikerfahrung zu haben! Seitdem läuft er wieder.

                                          Falls Du eine bestimmte Art von Gerät selten nutzt, hast Du vielleicht die Möglichkeit, es Dir zu leihen oder zu mieten. Ich habe letztens von einer Nachbarin einen Aktenvernichter geliehen, den ich nur kurz benötigte. Beim Kauf von Computern und Notebooks (oder Kaffeemaschinen) kannst Du nach dem Stichwort "refurbished" suchen. Es kennzeichnet gebrauchte Geräte, die vom Fachmann repariert und kontrolliert worden sind. Wenn Du ein Elektrogerät entsorgen möchtest, gib es bitte auf jeden Fall an einem Wertstoffhof ab! Dann können zumindest Teile davon wiederverwertet werden.

                                          • Investiere etwas deiner Zeit, um nachhaltige Alternativen zu checken (z.B. beim Smartphonekauf)
                                          • Achte auf Wartungsfreundlichkeit beim Neukauf
                                          • Suche nach "refurbished" Geräten
                                          • Repair-Cafés und Maker-Spaces für Ersatzteile
                                          • Leihe oder miete Geräte bei Nachbarn und Freunden
                                          • Entsorge kaputte Geräte im Wertstoffhof

                                          ~~~

                                          Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig die Angst vor großen Einschränkungen und Veränderungen nehmen, um im Alltag nachhaltiger zu sein. Vieles davon wird nach einer kleinen Umgewöhnungsphase zur Selbstverständlichkeit und den meisten Dingen sieht man ihr Öko-Dasein ohnehin nicht mehr an. Schreib mir doch einfach in die Kommentare, was für Dich am besten funktioniert hat oder wo Du im Alltag noch Potential für umweltbewusstes Leben siehst!

                                          Julia



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